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Weltraumwetter - Space-Weather - SWx

Es gab vor langer Zeit einen Western mit dem Titel "The Good, The Bad and The Ugly", mit Clint Eastwood in der Hauptrolle. Etwas umgestellt beschreibt dieser Artikel "The Bad, The Ugly and the Good" - natürlich in Bezug auf Space Weather!

05/23/2022 Flight Safety von Klaus Sievers und Ralf Parzinger (AG ATS)

Fangen wir also an mit "The Bad"

Wie den Beiträgen des diesjährigen virtuellen "Annual Meetings" des Space-Weather Prediction Centers (SWPC, Boulder, Co.) zu entnehmen war, gibt es in den USA und auch in England neue Programme zur besseren Versorgung mit Weltraumwetter. Titel: "Promoting Research and Observations of Space Weather to Improve the Forecasting of Tomorrow (PROSWIFT) Act". Dies hat zur Gründung einer speziellen Gruppe mit dem Namen Space Weather Advisory Group, SWAG, geführt.

Fazit: Vorbereitung auf SWx ist eine nationale Aufgabe in den USA. Und wo ist es nun "BAD"? Nun, obwohl das SWPC eines der vier globalen ICAO Space Weather Centres ist, sind diese Advisories auf dessen Aviation Community Dashboard nicht verfügbar. Und es gibt auch keine Hinweise darauf.

Weiter geht´s mit "The Ugly"

Zum vor allem europäisch geprägten, globalen ICAO SWx Centre Konsortium PECASUS gehört auch das UK Met Office, und hat dort die "backup" Rolle (Ersatzspieler). Soweit, so gut. UK Met hat ein eigenständiges SWx-Centre für die nationalen Bedürfnisse Englands, also Verteidigung, Zivilschutz - und Luftfahrt. Insbesondere für die Flugsicherungsorganisation Englands, NATS, werden eigene SWx Informationen herausgegeben; NATS nutzt die ICAO SWx Advisories also nicht. Eine eher unverständliche Situation.

EASA? EASA ist in Sachen ICAO SWx bisher wenig tätig geworden, erst zum Sommer 2022 hat man nun ganz allgemein die ICAO SWx Regelungen in Annex 3 und einem Begleitpapier (ICAO DOC 10100) übernommen, die 2018 publiziert wurden. Beachtenswert ist jedoch das Safety Information Bulletin vom April 2021. Es trägt den Titel "Effects of Space Weather on Aviation". EASA empfiehlt hier unter anderem, bei Vorliegen von Space Weather ggf. die Route zu ändern, Flüge in polare Regionen zu verschieben und zum Schutz vor erhöhter Strahlung tiefer zu fliegen.

Nun zum Abschluss: "The Good"

Hier in Deutschland mangelt es bisher an einer eigenen Struktur zur Vorsorge in Bezug auf Weltraumwetter. Es gibt eine Reihe von Forschungsinstituten, doch es gibt keine Institution, die eine organisatorische Klammer darstellt und auch die Vorbereitung auf und ggf. Warnung vor Weltraumwetter für Deutschland übernehmen könnte. Wie wichtig dies ist, hat die Überflutung im Ahrtal letztes Jahr gezeigt, dort gab es gute Warnungen durch den DWD, doch es haperte an Vorbereitung auf die Flut, an der richtige Einschätzung der kommenden Naturgewalten und letztlich am Ergreifen der richtigen Maßnahmen.

Das unlängst in Darmstadt eröffnete Weltraumwetter-Zentrum der ESA dient deren Bedürfnissen als Satelliten-Betreiber und das Weltraum-Lagezentrum der Bundeswehr ist primär auf deren Anwendungen ausgerichtet. Letztes Jahr fand nun der 5. Nationale Weltraumwetter Workshop statt und eine Arbeitsgruppe mit VC-Beteiligung erstellte ein Papier mit dem Titel "Empfehlungen zum Ausbau der deutschen Weltraumwetter-Fähigkeiten und Kapazitäten in einem koordinierten Ansatz", das die zu ergreifenden Maßnahmen umfassend darlegt. Es zeigt auf, was zu tun ist, und es bleibt zu hoffen, dass es von der Politik aufgegriffen wird. Ein Papier mit bemerkenswertem Inhalt.

Wie sieht es bei Ihnen aus?

Übrigens bekommen viele Piloten weltweit immer noch keine SWx Advisories mit den Flugplanungsunterlagen von ihrem Flugbetrieb, obwohl es doch "Wettermeldungen" sind. Dazu wurde auf VC-Initiative das IFALPA Safety Bulletin "Space Weather Advisories" (PDF) herausgegeben. 

Wie sieht es denn in Ihrem Flugbetrieb aus?

Bekommen Sie SWX-Advisories?

Nein? Dann fragen Sie doch mal nach.

Feedback auch gerne an uns! wetter@vcockpit.de

 

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