Mitgliedermagazin der Vereinigung Cockpit

78. IFALPA Conference in Mexico City

Vom 9. – 12. Mai 2024 Mai fand die diesjährige 78. IFALPA Konferenz in Mexico City statt. Die IFALPA ist ein weltweiter Zusammenschluss nationaler Berufsverbände der Flugzeugführer. Seit jeher ist diese Konferenz für die Abstimmung und den Zusammenhalt der Cockpitbesatzungen auf globaler Ebene sehr wichtig.

24.05.2024 Internationales von Johannes Bade, Referent Internationale Beziehungen

Die VC-Teilnehmer der diesjährigen IFALPA-Konfernez, @ Vereinigung Cockpit

Die VC wurde durch Capt. Maria-P. Murtha als Chief Delegate (seinerzeit VC Vorständin Internationale Beziehungen) und Johannes Bade als Delegate (Referent Internationale Beziehungen) vertreten. Darüber hinaus nahmen folgende VC Mitglieder an der Konferenz teil: Capt. Lars Frontini (seinerzeit Vorstandsmitglied), FO Vivianne Rehaag (seinerzeit VC Vorständin Flight Safety), Dr. Daniel Schaad (Leiter Flight Safety), Capt. Nikolaus Braun (Leiter des IFALPA ADO Committee), FO David Schöne (seinerzeit Leiter des IFALPA AAP Committee und stellvertretender Leiter der IFALPA Safety Management Working Group), Capt. Uwe Harter (seinerzeit IFALPA Executive Vice-President Technical & Safety Standards, EVP TSS), und Capt. Tanja Harter (Leiterin des IFALPA HUPER Committee und ECA Technical Affairs Director).


Bevor die IFALPA Konferenz offiziell am 10.05.2024 eröffnet wurde, fand am 09.05.2024 noch das sog. Global Pilots' Symposium (GPS) statt. Hierbei standen u.a. Paneldiskussionen zu den Themen „The State of Labour-Management Relations“, „Strategic Coordination of Advocacy“ und „Reduced Crew Operations Strategic Action Plan Update“ auf der Agenda. Am Tag der Eröffnung der Konferenz hießen Amornvaj (Ben) Mansumitchai (IFALPA Präsident), Christopher Barks (Regional Director North American, Central American and Caribbean bei ICAO), Gilbert F. Houngbo (Director General bei International Labour Organization), Gilberto Lopez Meyer (Senior Vice President of Corporate Aviation Safety and Security bei Aeromexico) und der Präsident der Asociación Sindical de Pilotos Aviadores de México (ASPA) die Teilnehmer aller Mitgliedsverbände herzlich willkommen.


Während der Konferenz wurden u.a. die Arbeitsergebnisse des vergangenen Jahres besprochen, beschlossen sowie neue politische Entwicklungen und allgemeine Herausforderungen für Cockpitpersonal und deren Mitgliedsverbände diskutiert und bewertet. Im Mittelpunkt stand erneut die globale Strategie zum Thema „Reduced Crew Operation“ (RCO). Führende Vertreter der weltweit größten Pilotenorganisationen IFALPA, ALPA-I und ECA präsentierten die bisherigen Erfolge der globalen RCO-Strategie, um zu verhindern, dass Fluggesellschaften und Hersteller ihre Pläne vorantreiben, Pilotinnen und Piloten aus dem Cockpit zu entfernen (s.a. safetystartswith2.com und https://www.onemeansnone.eu/).


Außerdem wurde von den Liberalisierungsbestrebungen der ICAO im sog. Air Transport Regulation Panel (ATRP) berichtet. Durch die enge Zusammenarbeit mit der IFALPA und dem mittlerweile guten Kontakt zum Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV), haben wir die Möglichkeit zur Stellungnahme zu Arbeitspapieren des ICAO ATRP bekommen, um die für uns wichtigsten Themen zu bewerben und unseren Standpunkt darzustellen.


Anschließend folgten die Regional Meetings. Da die VC auch dieses Jahr wieder mannstark vertreten war, hatten wir die Möglichkeit uns aufzuteilen, um so einen Einblick in jede Region zu bekommen.


In der Region Africa and Middle East (AFI/MID) waren lediglich die Mitgliedsverbände aus Kenia, Libanon, Südafrika, Algerien und Tunesien anwesend. Dies zeigt die zwei Hauptprobleme mit der diese Region zu kämpfen hat: Zum einen wird durch nationale Gesetze die Verbandsarbeit nahezu unmöglich gemacht und zum anderen besteht ein Mangel an finanziellen oder personellen Ressourcen. Umso wichtiger ist es, die Arbeit in dieser Region fortzusetzen. Dadurch, dass die Arbeit der IFALPA in dieser Region kaum bekannt ist, ist es umso schwieriger Nachwuchs zu fördern. Positiv ist jedoch, dass Marokko neues IFALPA Mitglied ist. Die Hauptprobleme in dieser Region sind allerdings, dass Gewerkschaften und Berufsverbände in vielen Ländern durch Druck von Regierung und Arbeitgebern nicht vorhanden sind oder nur sehr beschränkt arbeiten können. In der Folge sind Fatigue, atypische Beschäftigung und keine Safety Culture an der Tagesordnung. GPS Jamming und Spoofing treten täglich auf und fehlende Verfahren führen zu negativem Training, da Piloten standartmäßig EGPWS Warnings missachten müssen, um diverse Airports und Regionen anfliegen zu können. Da den Berichten zufolge viele Behörden und deren wenigen Mitarbeiter nicht ausreichend ausgebildet sind, ist effektive Kontrolle oftmals nicht vorhanden. Die IFALPA könnte insofern mit ihren Trainingskursen an der Stelle hilfreich sein. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, genügend Trainer aus dieser Region zu trainieren. Zu befürchten ist, dass die Region aufgrund der kulturellen und politischen Umstände der „Sandkasten“ für RCO werde.


In der Region Asia and Pacific (APAC) berichtete der Executive Vice-President APAC, Capt. Jaffar Hassan, davon, dass er eine generelle Wiederbelebung des Arbeitsspirits in der Region sieht. Er gab zwei Beispiele von positiver Zusammenarbeit zwischen den nationalen Verbänden und der IFALPA und animierte die Anwesenden auf IFALPA Unterstützung zurückzugreifen. Capt. Nickolas Lagouros, Regional Vice-President Asia/ East, sprach von den Herausforderungen einer Strafkultur und der Notwendigkeit der Entwicklung einer positiven Sicherheitskultur in seiner Region. Außerdem wurde davon berichtet, dass die hohe Inflation für die Pilotinnen und Piloten aus Bangladesch, insbesondere bei Auslandsaufenthalten, ein großes Problem darstelle. Weiterhin berichtete der chinesische Verband vom Problem des Pilotenmangels. Die Lage hätte sich stark geändert: Gerade bei den FOs gibt es eher einen Überhang. Die großen Airlines haben in den letzten Jahren viele Kadetten eingestellt und ausgebildet. Kapitäne werden teilweise weiterhin benötigt und/oder mit Expats besetzt. Sehr erfreulich zu hören war, dass der neuseeländische Verband (NZ ALPA) es geschafft hat, ein Minimum von zwei Piloten in ihre neuen Tarifverträge mit Air New Zealand umzusetzen. Der Verband aus Singapur (ALPA-S) berichtete u.a. davon, dass die nationalen Aufsichtsbehörde CCTV-Aufnahmen verwendet, um Walkarounds zu auditieren. Ein FO wurde bereits abgemahnt, weil er den Walkaround nicht komplett durchführte.


In der Region Caribbean and North America (CAR/NAM) gaben zunächst die einzelnen Mitgliedsverbände kurze Updates aus ihren Region. Der kanadische Verband berichtete u.a. von neuer Labor Legislation, die den Gewerkschaften zugutekommt. In Kanada haben sich zwei Pilotengewerkschaften zusammengeschlossen, was im Ergebnis sehr begrüßt wurde. Aus den USA kam der Hinweis auf Space Weather, das aktuell an Bedeutung für OPS und Infrastruktur zunehme, zudem eine Änderung der Pacific Organized Tracks (PACOTS), wo es ihnen ähnlich wie bei der NAT Clearance Änderung um Awareness geht. Hierbei verzögert sich allerdings der Zeitplan. Auch wurde auf die steigende Bedeutung von Spaceports, also Orten von denen i.d.R. private Raumfahrtunternehmen Raumfahrzeuge starten, in den USA hingewiesen, was von der FAA dann mit Restricted oder Danger Areas abgesichert wird. 


In Europa spielt das Thema RCO weiterhin eine sehr große Rolle. Die European Union Aviation Safety Agency (EASA) bereitet derzeit die Konzepte Extended Minimum Crew Operations (eMCO) und Single Pilot Operations (SiPO) vor, welche in naher und mittlerer Zukunft umgesetzt werden sollen. In dem Zusammenhang wird die globale Kampagne „Safety starts with 2“ (s.o.) europaweit koordiniert und unterstützt. Während des Regional Meetings gab es in diesem Zusammenhang eine Einführung in die politische Arbeit der ECA zu dem Thema. Als Basis für die politische Arbeit, wird eine fundierte und klare Kommunikation verwendet. Diese wird dem Empfängerkreis (Medien, Passagiere oder Piloten) entsprechend angepasst. Neben dem politischen Aspekt, der vor allem Ministerien, Politiker und Behörden betrifft, wird betont, dass insbesondere eine intensive Aufklärung der Aufsichtsbehörden notwendig sei. Weiter gab es in diesem Zusammenhang ein kurzes Update zu den regulatorischen Rahmenbedingungen und der Rulemaking Task RMT.0739. Noch ist nicht bekannt, wann diese starten soll und wie es genau diese aussehen wird. Außerdem beschäftigt Europa weiterhin das Thema der atypischen Beschäftigung. In diesem Zusammenhang ist eine Neuauflage der „Ghent Studie“ von 2015 noch für dieses bzw. nächstes Jahr geplant. Zudem wird eine neue Umfrage zum Thema Fatigue in Jahre 2025 geplant (s.a. https://www.eurocockpit.eu/news/summer-fatigue-survey-2023).


In der Region South America (SAM) waren die o.g. RCO Kampagne, ACMI, Wet Lease, „Flags of convenience“ und Kabotage dominierende Themen. Auch der Druck von den CEOs der Fluggesellschaften, Flugzeuge und Besatzungen zwischen verschiedenen Ländern einzusetzen, steigt stetig. In Argentinien, Peru, Brasilien und Panama ist die Flugauslastung bereits wieder auf vor-Pandemie Niveau, wobei das Streikrecht weiterhin missachtet wird. Außerdem berichtete die Asociación Colombiana de Aviadores Civiles (ACDAC) von dem Mental Health Programm „HOPE“ und einem „Crtitical Indicent Response Programme“.


Auch dieses Jahr fanden wieder Wahlen statt. Das Hauptaugenmerk lag auch dieses Jahr auf den Wahlen der Executive Committee Officer. Capt. Ron Hay (USA) wurde zum Vice-President und Capt. Wouter Houben (Niederlande) zum neuen Executive Vice-President (EVP) Administration, Membership, & Finance gewählt. Weiterhin wurde FO Stacey Jackson (Canada) zum EVP Technical & Safety Standards (TSS) und Capt. Kevin Judkins (United Kingdom) zum EVP Professional & Government Affairs (PGA) gewählt. Wir sind als Gemeinschaft sehr stolz darauf, dass mit Capt. Rola Hoteit (Libanon) und FO Stacey Jackson die ersten beiden Frauen in den IFALPA Vorstand gewählt wurden. Die VC gratuliert allen neu gewählten Amtsträgern, heißen alle zurückkehrenden Amtsträger herzlich Willkommen und wir bedanken uns bei allen scheidenden Amtsträgern.


Im Rahmen des am Samstagabend stattfindenden Galadinners wurde unser VC Kollege Capt. (rtd.) Klaus Sievers für seinen Einsatz und seine herausragenden Leistungen im Interesse des Cockpitpersonals mit dem „Scroll of Merit“ Award ausgezeichnet. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Dienste der Pilotengemeinschaft auf nationaler und internationaler Ebene besitzt Capt. (rtd.) Sievers herausragende Fachkenntnisse. In seiner Rolle als IFALPA ATS Committee Mitglied, ECA ATS Working Group Mitglied und VC AG ATS Mitglied hat Capt. (rtd.) Sievers in seiner Laufbahn an zahlreichen Sitzungen teilgenommen. Capt. (rtd.) Sievers vertrat die IFALPA insbesondere im ICAO MET PANEL und behandelte Themen wie elektronische Übermittlung von Wetterdaten an das Flugdeck, effektive Gestaltung und Verbreitung von Weltraumwetterinformationen in der Vorflugdokumentation sowie Initiativen, die darauf abzielen, aktuelle MET-Informationen auf dem Flugdeck von Verkehrsflugzeugen verfügbar zu machen. Außerdem wurde CPT (rtd.) Sievers in diesem Jahr schriftlich für seine langjährigen Aktivitäten in NATO-Gremien in Bezug auf den Betrieb von Triebwerken in Umgebungen mit Vulkanasche geehrt. Dies war eine Folge der Vulkanasche-Ereignisse von 2010, als der Vulkan Eyjafjöllajökyll auf Island den Flugverkehr im Nordatlantik zum Erliegen brachte. Die VC gratuliert recht herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung. Außerdem wurden auf der diesjährigen Konferenz SNPL Morocco and ASOPLANE Ecuador neue IFALPA Mitglieder.

Die nächste Konferenz wird 2025 in Seoul stattfinden.